Nachlese: Aviation Forum Hamburg 2021

Als einer der größten Fachtagungen im Bereich Aerospace im deutschsprachigen Raum fand am 07. und 08. Dezember 2021 das Aviation Forum Hamburg statt. Das Event war sowohl für Aussteller und Besucher vor Ort, unter Einhaltung der Covid-19 Sicherheitsvorschriften, geöffnet, als auch der Vortragsteil virtuell im Rahmen des Hybrid-Formates verfolgbar.

AVIATION RELOADED: Nach der größten Krise, die die Luftfahrtindustrie je erlebt hat, muss sich die Branche neu aufstellen und alte Strukturen überdenken, um für das neue Zeitalter der Luftfahrtindustrie gerüstet zu sein. Um den neuen Anforderungen an die Luftfahrt gerecht zu werden, müssen neue Strategien, Technologien und Partnerschaften entwickelt werden. Die Auswirkungen der Pandemie werden noch lange erheblich sein, aber die Branche muss sich umsichtig auf einen Neuanfang vorbereiten. Neue Strategien helfen Unternehmen, ihre Angebote an die Zeit nach der Krise anzupassen und ihre Flexibilität zu erhöhen. Neue Technologien sind der Schlüssel, um den sich ändernden Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu meistern, braucht es neue Partnerschaften.

Das Aviation Forum Hamburg stand im Zeichen folgender drei Schwerpunkte:

  • Neue Strategien
    Neue Strategien werden Unternehmen helfen, ihre Angebote an die Zeit nach der Krise anzupassen und ihre Flexibilität zu erhöhen. Unternehmen müssen operativ flexibel sein, da der Zeitpunkt für eine Erholung auf das Vorkrisenniveau ungewiss ist. Mit reduzierter Produktion profitabel zu bleiben und gleichzeitig die Produktion bei Bedarf schnell hoch- oder herunterfahren zu können, ist eine große Herausforderung. Der Bedarf an Flexibilität könnte auch zu einer Neuordnung der Lieferantenlandschaft führen. Darüber hinaus ist die gesamte Luftfahrtindustrie von Kostendruck betroffen, der unterschiedliche Strategien erfordert, um Produktion, Qualität und Innovation entlang der Wertschöpfungskette aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus müssen bisherige Strategien im Hinblick auf die Lehren aus der Pandemie langfristig überprüft werden. Gleichzeitig müssen Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit wieder im Fokus stehen. Diese Bereiche sind wichtig, um die Auswirkungen der Krise abzumildern und zu überwinden und um auf die Zukunft der Luftfahrt vorbereitet zu sein.

     

  • Neue Technologien
    Neue Technologien sowie optimierte Produkte und Prozesse sind der Schlüssel, um den neuen Anforderungen der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Die Luftfahrtindustrie steht vor großen Nachhaltigkeitsherausforderungen und muss in verschiedene nachhaltige Technologien investieren, um ihre wichtigsten Umweltziele zu erreichen und ihre Umweltauswirkungen zu reduzieren. Dies ist notwendig, um seinen Ruf in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. Materialien und Verfahren der nächsten Generation wie Thermoplaste und RTM sind ein wichtiger Schritt zur Gewichtsreduzierung. Darüber hinaus werden neue Flugkonzepte entwickelt, um Lösungen für die Luftmobilität von morgen zu bieten. Darüber hinaus werden neue Technologien benötigt, um nach der Krise ein sicheres Flugerlebnis wiederherzustellen. Zum Beispiel wird die biologische Sicherheit ein wichtiger und selbstverständlicher Bestandteil des Reisens, sodass Innovationen in der Kabine oberste Priorität haben.

     

  • Neue Partnerschaften
    Eine belastbare und effiziente Lieferkette für die Luft- und Raumfahrt ist für die Erholung von der Krise unerlässlich. Bestehende Partnerschaften und Lieferketten müssen aufgrund der durch die Pandemie verursachten Störungen und neuer Anforderungen im Luftverkehr neu bewertet werden. Dies erfordert einerseits unterschiedliche Maßnahmen zur Analyse der Zusammenarbeit. Auf der anderen Seite werden neue Partnerschaften geschlossen, um Innovationen voranzutreiben oder das Geschäft auszubauen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden über neue Kooperationen nachdenken, um für den Hochlauf gerüstet zu sein und gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Eine weitere Auswirkung der Covid-19-Krise auf das globale Liefernetzwerk könnte eine Verlagerung hin zu lokalen und regionalen Lieferketten sein.

Zusammenfassung und Eindrücke

Generell lässt sich der positive Eindruck der letzten Monate auch in der Luftfahrtbranche bestätigen. Die großen OEMs wie AIRBUS und BOEING sehen steigende Kundennachfrage nach neuen Flugzeugen. Da die gesamte Reisebranche von der Covid-19 Krise sehr hart getroffen wurde, was im ersten Schritt vor allem die Airlines weltweit zu spüren bekamen, gingen auch die Auftragszahlen in der Luftfahrtbranche stark zurück. Damit einher gingen der Rückgang der neu zu fertigenden Flugzeuge durch die ganze Lieferkette und brachten diese vor allem in der Anfangszeit fast zum Erliegen. Wobei hier vor allem in der Lieferkette die Auswirkungen durch den sogenannten „Bullwhip“ – Effekt stärker auftraten je weiter hinten das Unternehmen in der Lieferkette angesiedelt ist.

Der Bullwhip-Effekt

Mittlerweile hat die Reisetätigkeit wieder zugenommen, hier bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung nachhaltig ist und es durch die Entwicklungen im Pandemieverlauf nicht wieder zu massiven Einschränkungen kommt. 

Aktuell ist laut den OEMs der Markt wieder vorhanden, die Kunden möchten neue Flugzeuge. Dieser Ramp-up führt in gewisser Weise zu einem Luxusproblem in der Branche. Kunden möchten Flugzeuge schneller, als diese von den OEMs und Zulieferern gebaut werden können. Zusätzlich ist in diesem Anstieg, wodurch massiver Druck auf die Lieferketten erzeugt wird, kein Raum für Qualitätsfehler. Weiteren Anschub erfährt der Ramp-up durch die Notwendigkeit der Airlines, moderne und wettbewerbsfähige Flugzeuge auf dem umkämpften Markt einzusetzen. Eco-Effizienz ist hierbei ein Schlagwort.

Sustainability ist zusammen mit Qualität / Performance / Automation zur Zeit die Vorgabe des Marktes und notwendig für den Re-Start.

Airbus sieht Sustainability als Großes Ganzes vor allem in Richtung der Supply Chain. Ca. 80% der Revenue liegt im Bereich des Sourcings. Daraus folgt, dass vor allem die Lieferanten einen großen Einfluss auf den Bereich der Nachhaltigkeit haben.

Airbus hat dazu eine Sustainability Roadmap gestartet: Lieferanten „müssen“ nachhaltig sein, um in den Programmen ausgewählt zu werden.  Zur Zeit haben auch ca. 80% der Lieferanten den „Sustainability Code of Conduct“ von Airbus bereits unterzeichnet.

Ziel ist es unter anderem, auch eine Materialdatenbank, welche Eigenschaften von Materialen auch im Bezug auf Nachhaltigkeit beinhaltet, ähnlich der Automobil-Industrie zu etablieren, um Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.

Schwierig stellt sich der Ramp-up auch durch die aktuelle globale Situation dar, wo Themen wie Lieferketten, Preise und Verfügbarkeit von Rohstoffen und Materialen eine Herausforderung darstellen.

Für AIRBUS ist die Krise jedenfalls vorbei und der Ramp-up da.  Es wird aber in jedem Fall eine sehr kompetitive Phase!

Neben dem Ramp-up gibt es zur Zeit auch massive Anstrengungen das Fliegen nachhaltiger zu gestalten. Hier wird vor allem an Sustainable Aviation Fuels (SAF) geforscht und getestet. Alle großen Hersteller von Flugzeugen / Helikoptern und Antriebssystemen führen zur Zeit Versuche mit SAFs durch., weil SAF als Schlüssel für das nachhaltige Fliegen in der Zukunft gesehen wird. Andere Technologien, wie Wasserstoff oder elektrisches Fliegen sind hierbei ergänzend zu erwähnen und werden einen weiteren Beitrag liefern, je nach Einsatzmöglichkeiten. Auch hierbei ist im Moment die größte Herausforderung die Produktionskapazitäten für diese neuen Treibstoff- und Antriebstechnologien hochzufahren.

Im Großen und Ganzen sind die Lieferanten und Lieferketten auch in der Zeit der Krise vorhanden geblieben, es kam nur zu vereinzelten Ausfällen. In der Lieferkette besteht die Herausforderung darin, die bestehenden Kapazitäten aus 2019 wieder zu füllen.

Hierbei sind erschwerende Bedingungen die verkürzten Lieferzeiten, die teilweise Umstrukturierung von Unternehmen, sowie die Zunahme der Komplexität der neuen Flugzeuggenerationen. Auch der Business- und Militärbereich laufen schon wieder auf Vorkrisenniveau und benötigen dieselben Lieferketten.

Ergänzend dazu soll neben dem Ramp-up der Stückzahlen auch ein Quality-Ramp-up stattfinden. Hier in Anlehnung an die Automotive Industrie, aber abgeleitet auf die Anforderungen in der Luftfahrt. Schlagwörter hierzu: Digitalisierung, PPAP, APQP…

Vor allem im Thema der Digitalisierung wird hier in der Branche ein sehr großes Ungleichgewicht in der Geschwindigkeit in den Unternehmen gesehen.

Ein weiteres Thema ist auch „Additive Manufacturing“. Herstellprozess sicherlich im Kommen, aber noch im Aufbau. Wird zur Zeit hauptsächlich im Prototypenbau eingesetzte, da finale Qualifikation noch schwierig. Das Design der Bauteile muss für Additive Manufacturing überdacht werden und Teile nicht 1:1 übernommen werden. Vorteile und Nachteile des Herstellungsverfahrens müssen beim Design und der Auswahl der Teile die 3D-gedruckt werden sollen, mitgedacht werden. Potenzial wird hier für ca. 10% der Strukturbauteile und ca. 30 – 40% der Teile in der Kabine gesehen.

Auch österreichische Unternehmen und unter ihnen einige ACstyria Partner-Betreibe waren im Rahmen eines gemeinsamen Aussteller-Standes der WKO auf dem Aviation Forum Hamburg vertreten:

Im Jahr 2022 wird das Aviation Forum in München, im Zeitraum vom 05. bis 06. Dezember 2022 stattfinden.

DE